Forschung schafft Perspektiven: Dr. Nikolai Belov (HSZG)
Juni 2026
Wer sind Sie und woran arbeiten oder forschen Sie aktuell?
Ich komme ursprünglich aus der theoretischen Physik, bin dann über angewandte Mathematik und numerische Simulationen langsam in die Welt der „praktischen Probleme“ gerutscht – also in jene Kategorie von Problemen, die sich nicht mehr nur elegant auf Papier lösen lassen.
Vor meiner Zeit an der Hochschule war ich mehrere Jahre am Fraunhofer IVI tätig und habe mich mit Automatisierung in der Fahrzeugtechnik beschäftigt. Dort habe ich gelernt, dass sich Gleichungen zwar perfekt verhalten – reale Systeme aber gelegentlich ihren eigenen Kopf haben.
Aktuell arbeite ich an der Hochschule Zittau/Görlitz an Themen wie Smart Factories, Smart Cities, Halbleiterindustrie und Logistik. Im Kern geht es darum, mathematische Modelle so weit zu zähmen, dass sie uns im echten Leben tatsächlich helfen und nicht nur auf dem Papier gut aussehen.
Warum sind Sie in die Region gekommen und was hat Sie überzeugt, hier zu arbeiten?
Die Entscheidung für Zittau war für mich ziemlich logisch – ich wollte meine Erfahrungen aus Mathematik, Numerik und Automatisierung in neue Bereiche einbringen, und genau diese Möglichkeit bietet die Hochschule.
Mich hat vor allem überzeugt, dass hier praxisnahe Forschung mit aktuellen technologischen Entwicklungen verbunden wird – etwa in den Bereichen Digitalisierung, intelligente Systeme und industrielle Transformation.
Wie haben Sie Ihr Ankommen erlebt und was gefällt Ihnen am Leben in der Region?
Ich lebe schon seit einiger Zeit in der Oberlausitz, daher war der Kulturschock eher gering. Besonders schätze ich die Nähe zur Natur. Die ruhige Umgebung hilft mir, mich auf wissenschaftliche Fragestellungen zu konzentrieren und neue Ideen zu entwickeln.
Gleichzeitig bietet die Region eine gute Lebensqualität und eine angenehme Balance zwischen Arbeit und Freizeit.
Was macht die Wissenschaftsregion um Zittau/Görlitz aus Ihrer Sicht besonders?
Die Region hat etwas, das man in der Forschung selten findet: Platz zum Denken und gleichzeitig gute Verbindungen zur Welt.
Mit der Nähe zu Dresden und Berlin sowie zu Polen und Tschechien entstehen viele Möglichkeiten für Kooperationen. Gleichzeitig wächst hier eine spannende Forschungslandschaft mit mehreren Institutionen.
Ich sehe das ein bisschen wie ein gutes Experiment: Die Randbedingungen sind ruhig, aber die Wechselwirkungen sind international.
Was mich an meiner Arbeit hier besonders begeistert, ist die direkte Verbindung zwischen Theorie und Praxis. Es ist ein gutes Gefühl, wenn aus einer abstrakten Gleichung irgendwann eine Lösung für ein reales Problem wird – und nicht nur eine schöne Herleitung im Notizbuch.
Und ein persönlicher Tipp für Neuankömmlinge: Unterschätzen Sie nicht, wie weit man mit einem Spaziergang und einer guten Idee kommen kann. In der Oberlausitz funktioniert beides erstaunlich gut.
Text: Hochschule Zittau/Görlitz
Dieses Porträt entstand in Kooperation mit dem Hi!Lusatia e.V. im Rahmen der Ausstellung „Hi!Lusatia – Forschung schafft Perspektiven“ in der Galerie Brüderstraße in Görlitz.
