Forschung schafft Perspektiven: Dr. Ana Berenice Garcia-Andrade (CASUS)
Juni 2026
Dr. Ana Berenice Garcia-Andrade, oder kurz Bere, ist seit 2023 am Center for Advanced Systems Understanding (CASUS) in Görlitz tätig. Die Biologin hat in Morelia im mexikanischen Hochland studiert und an der mexikanischen Atlantiküste in Xalapa ihren Doktortitel erlangt. Am CASUS erforscht sie, wie der Aufbau von Flusssystemen mit der Vielfalt der Fischarten in den Flüssen zusammenhängt.
Wer bist du und woran arbeitest oder forschst du?
Ich bin Expertin für Süßwasserfische und war in Mexiko viel auf Flüssen unterwegs. Ich habe für die Arbeit sogar Tauchen mit Unterwasser-Atemgeräten gelernt. Bei meiner Promotion ging es dann um Muster in der Biodiversität. Da habe ich mit Daten von rund 15.000 Fischarten aus der ganzen Welt gearbeitet. In Görlitz führe ich diese theoretische Arbeit mit leicht anderem Schwerpunkt fort.
Warum bist du nach Görlitz gekommen und was hat dich überzeugt, hier zu arbeiten?
Mit dem Doktortitel in der Tasche wollte ich unbedingt noch einmal ins Ausland. Das erhöht auch in Mexiko die Chancen auf einen Job im Bildungs- und Wissenschaftssektor. Am Ende waren vier Stellen in Finnland, Spanien, Frankreich und Deutschland interessant für mich. Dass es am Ende Görlitz wurde, lag auch an dem Projekt, für das Unterstützung gesucht wurde. Da passte ich einfach perfekt. Da das CASUS in Görlitz ist, fragte ich damals eine Freundin, die in Göttingen arbeitete, wie Görlitz so ist. Sie hatte noch nicht einmal von Görlitz gehört! Zum Glück ist die Wikipedia-Seite über Görlitz ziemlich gut. Da konnte ich mir von Mexiko aus schon ein erstes Bild machen.
Wie hast du dein Ankommen in Görlitz erlebt und was gefällt dir am Leben in der Stadt?
Ich bin Ende September angekommen. Die Sommersaison mit den vielen Festen war da leider schon vorbei. Via Thea oder Altstadtfest sind natürlich toll. Sonst ist das Stimmung in der Stadt aber kaum mit der mexikanischen Aufgedrehtheit zu vergleichen. Ich habe mir dann Stück für Stück in der Freizeit einen Zugang zu Görlitz erarbeitet: Man kann viele architektonische Details und die Drehorte für viele tolle Filme entdecken. Auch die Parks an den beiden Neißeufern sind klasse.
Was macht die Wissenschaftsregion um Görlitz aus deiner Sicht besonders?
Ich finde es erstaunlich, dass man in dieser noch kleinen Wissenschaftsregion die Bedeutung von Frauen für die Wissenschaft erkannt hat. Offenbar leidet Görlitz und die Lausitz insbesondere unter der Abwanderung von Frauen in andere Regionen. Ich denke schon, dass es gelingen kann, über das Thema Wissenschaft insbesondere Frauen wieder zurückzugewinnen. Ich hoffe, das das Thema mit hoher Priorität und kontinuierlich vorangetrieben wird.
Hast du einen persönlichen Tipp für alle, die neu nach Görlitz kommen?
Auch wenn die Arbeitssprache Englisch ist: Es ist besser, wenn man ein bisschen Deutsch gelernt hat. So kommt man unkomplizierter durch das tägliche Leben und bekommt mehr von der Kultur vor Ort mit. Gegen das Heimweh hilft es natürlich, wenn man ab und zu mal Spanisch sprechen kann. Zum Glück gibt es in Görlitz eine kleine Spanisch sprechende Gemeinschaft, dich sich ab und zu trifft.
Text: Center for Advanced Systems Understanding
Dieses Porträt entstand in Kooperation mit dem Hi!Lusatia e.V. im Rahmen der Ausstellung „Hi!Lusatia – Forschung schafft Perspektiven“ in der Galerie Brüderstraße in Görlitz.
