Forschung schafft Perspektiven: Günther Hasinger (DZA)
Juni 2026
Prof. Dr. Günther Hasinger ist der Wissenschaftliche Geschäftsführer des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA). Unter seiner Führung hat ein Team hochrangiger Wissenschaftler aus Deutschland den Wettbewerb “Wissen schafft Perspektiven für die Region” gewonnen. Gemeinsam mit ihnen baut er das Großforschungszentrum für Astrophysik, Technologieentwicklung und Datenwissenschaften in der Lausitz auf.
Wer bist du und woran arbeitest oder forschst du?
Ich bin Astrophysiker, ursprünglich aus Bayern, wo ich an der Ludwig-Maximilians-Universität studiert und promoviert habe. Mein Lieblingsthema sind die Schwarzen Löcher und in den vergangenen Jahren habe ich an der Frage gearbeitet, ob die Dunkle Materie unter Umständen aus Primordialen Schwarzen Löchern besteht. Im Lauf meiner Karriere durfte ich schon eine ganze Reihe verschiedener Verantwortungen in der Leitung wissenschaftlicher Institutionen übernehmen. So war ich Direktor am Astrophysikalischen Institut Potsdam (AIP) und wurde im Anschluss an diese Zeit als Nachfolger meines Doktorvaters als Direktor an das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching berufen. Später wurde ich Wissenschaftlicher Direktor des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Garching und Greifswald, bevor ich als Direktor des Institute for Astronomy an die Universität von Hawaii ging. Von dort aus wurde ich als Wissenschaftsdirektor an die Europäische Weltraumorganisation ESA in Madrid berufen. Von dort aus ergab sich die einzigartige Chance, das DZA zu etablieren.
Warum bist du in die Region gekommen und was hat dich überzeugt, hier zu arbeiten?
Die Chance, ein einzigartiges Großforschungszentrum für Grundlagenphysik mit einer großen Ausstrahlung in die Region quasi auf der grünen Wiese zu entwickeln, ergibt sich nur einmal im Leben und das auch nicht für viele Wissenschaftler. Als klar wurde, dass das DZA den Wettbewerb gewonnen hatte, bin ich mit meiner Frau mit Sack und Pack nach Görlitz gezogen. Es war uns klar, dass nur mit einer kritischen Masse von Mitarbeitenden vor Ort das Zentrum überhaupt eine Chance hat, sich zu verankern und wir sind mit gutem Beispiel vorangegangen.
Wie hast du dein Ankommen in der Lausitz erlebt und was gefällt dir am Leben in Städten wie Görlitz?
Görlitz ist eine wunderschöne Stadt und wir fühlen uns sehr wohl hier. Natürlich war das Ankommen aus Hawaii und über Madrid ein wahrer Kulturschock. Wir waren z. B. aus Spanien immer Menschenmassen auf den Straßen gewohnt und das finden wir in Görlitz nur selten, vor allem im Sommer. In der kalten Jahreszeit hat man das Gefühl, die Gehsteige werden hochgeklappt. Was uns sehr gut gefällt, ist, dass man über den Markt oder durch die Altstadt schlendern kann und immer wieder Bekannte für einen freundlichen Austausch trifft. Ganz besonders froh bin ich über das gute Verhältnis zu Oberbürgermeister Octavian Ursu. Den habe ich in der Vorbereitungsphase unseres Projektes einmal zufällig und völlig unerwartet beim Sommerkonzert der Musikschule auf dem Untermarkt getroffen und er hat mich gleich auf ein Bier eingeladen.
Was macht die Wissenschaftsregion Lausitz aus deiner Sicht besonders?
Es gibt sehr eine sehr gute Aufbruchsstimmung. Mit der Hochschule, Senckenberg, CASUS und anderen hat es bereits seit längerem eine gute Wissenschaftslandschaft gegeben. Jetzt kommt das Deutsche Zentrum für Astrophysik dazu. Außerdem sind die Verbindungen in die Region exzellent: nach Dresden, Cottbus, Breslau und Warschau, sowie Liberec und Prag. Außerdem strecken wir die Fühler in die Ukraine aus. Wir haben aus dem Dreiländereck heraus die große Chance, dass sich wirklich eine blühende Wissenschaftslandschaft entwickelt. Einen kleinen Vorgeschmack davon haben wir auf dem dritten Görlitzer Science Slam bekommen, der Anfang April 2026 in der Rabryka stattfand. Die Breite und Exzellenz der dort vorgestellten Pitches war einfach atemberaubend.
Hast du einen persönlichen Tipp für alle, die neu herkommen?
Kommt ohne Vorurteile, lasst Euch mitreißen von der Vielfalt des Kulturangebots und der Schönheit der Landschaft und organisiert einen Beschaffungskanal für die Dinge, die Euch wichtig, aber in Görlitz schwer zu bekommen sind. Bringt Geduld mit dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr mit.
Text: Deutsches Zentrum für Astrophysik
Dieses Porträt entstand in Kooperation mit dem Hi!Lusatia e.V. im Rahmen der Ausstellung „Hi!Lusatia – Forschung schafft Perspektiven“ in der Galerie Brüderstraße in Görlitz.
