Forschung schafft Perspektiven: Lars Haupt (DZA)

Juni 2026

Sein Lieblingsbuch trägt den Titel „Der Mann der die Zahlen liebte.“ Auch wenn diesbezüglich seine Erdös-Zahl sehr wahrscheinlich unendlich ist und es somit keinen bekannten Co-Autorenschafts-Pfad zu Paul Erdős gibt, verbindet Dr. Lars Haupt dennoch die Liebe zu den Zahlen. Diese Liebe führte ihn über Umwege ans Deutsche Zentrum für Astrophysik in Görlitz, wo er aktuell in der Abteilung für Datenwissenschaften arbeitet.

Wer bist du und woran arbeitest oder forschst du?

Ich bin studierter Technomathematiker. Der Studiengang Technomathematik hatte damals wie heute das Ziel, mathematisches Wissen zur praktischen Anwendung zu bringen. Dieser heute allgegenwärtige interdisziplinäre Ansatz war um die Jahrtausendwende eher selten. Die zeitgleiche Auseinandersetzung mit Numerik, Informatik, Kinematik & Strömungsmechanik war damals eher ungewöhnlich, ist in der heutigen Zeit, in der KI, Robotik und Computing eine zentrale Rolle in der Gesellschaft spielen, aber offensichtlich. Demnach hatte ich das Glück, zur richtigen Zeit einen visionären Studiengang gewählt zu haben.

Während meiner Promotion erschuf ich ein neues mathematisches Lösungsverfahren, das direkte numerische Strömungssimulationen mit Billionen von Gitterpunkten bei sehr hoher Genauigkeit ermöglicht, was nur durch den Einsatz von zehntausenden Rechenkernen möglich war.

Die Fähigkeit des Umgangs mit großen Dimensionen und Datenmengen, als auch die fachbereichsübergreifende Ausbildung, war und ist das perfekte Rüstzeug für meine jetzige Tätigkeit am Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA). Als Datenwissenschaftler analysiere und verarbeite ich Daten unterschiedlichster Herkunft und von bisher ungeahnter Menge. Es gilt Terra-, Peta- und Exabyte zu jonglieren.

Warum bist du in die Region gekommen und was hat dich überzeugt, hier zu arbeiten?

Im Herzen war ich niemals fort. Die Umbrüche nach der Wiedervereinigung haben jedoch dazu geführt, dass ich selbst und nahezu alle anderen Absolventen meines Jahrgangs die Region verlassen mussten. Dass Görlitz keine Möglichkeit für ein Leben in der Wissenschaft bietet, war damals offensichtlich. Von 2001 bis 2024 war ich in Dresden zu Hause, habe dabei aber immer die Entwicklung rund um Görlitz verfolgt.

Durch eine Anzeige in einer der hiesigen Wochenzeitungen wurde ich dabei auf einen Vortrag mit dem Titel „Wir in Niesky – Das DZA stellt sich vor“ aufmerksam. Ich lauschte damals den Ausführungen von Katharina Henjes-Kunst & Christian Stegmann und war sofort begeistert von der Mission des DZA. Endlich Wissenschaft direkt in meiner Heimat! Was 2001 noch undenkbar war, wurde für mich am 01.06.2024 gelebte Realität. Ich bin davon überzeugt, dass das DZA mit seiner Mission von Wandel durch Spitzenforschung die Chance für die Lausitz darstellt. Dass die Lausitz selbst ein wunderbarer Ort zum leben und arbeiten ist, versteht sich dabei für mich von selbst – denn ich kenne deren Schätze und Liebenswürdigkeit ja bereits seit meiner Kindheit.

Wie hast du dein Ankommen in der Lausitz erlebt und was gefällt dir am Leben in Städten wie Görlitz?

An meinem ersten Arbeitstag habe ich bewusst mein Auto etwas weiter weg vom Postplatz geparkt, um ein Stück zu laufen. Der Weg vorbei an so vielen, alten bekannten Gebäuden, die ich als Schüler unzählige Male passiert, meist aber ignoriert hatte, war diesmal etwas ganz Besonderes. Ein wunderbarer Tag mit Sonnenschein und ganz vielen Emotionen.

Das Besondere in Görlitz ist, dass es eben keine anonyme Großstadt ist. In den ersten Wochen und Monaten begegnete ich so vielen alten Bekannten und Freunden direkt vor dem DZA. Einfach mal kurzentschlossen zum Mittagessen verabreden und einen engen Kontakt auch zu den Menschen fern der Wissenschaft halten, das ist wunderbar.

Ich verstehe aber jeden, der gerne auch mal in die Anonymität der Großstädte flieht.

Was macht die Wissenschaftsregion Lausitz aus deiner Sicht besonders?

Die Lausitz hat eine große, wenn auch etwas in Vergessenheit geratene Wissenschaftsgeschichte. Lichtgestalten wie Bartholomäus Sculthetus oder Hanna von Hoerner sind nur einige Beispiele, die dies belegen. Görlitz liegt in der Mitte Europas. Die Via Regia als West-Ost-Handelsstraße hat die Stadt geprägt. Das ist bis heute sichtbar. Obwohl sich an der Lage der Region nichts geändert hat, haben Kriege und politische Spannungen dazu geführt, dass die Region von außen nur als Randregion oder Sackgasse wahrgenommen wird. Gerade jetzt, durch die Ansiedlung der vielen Wissenschaftsinstitutionen kann die Lausitz mehr und mehr ihre Stärken als ein prosperierender Standort in Zentraleuropa ausspielen. Die Menschen hier sind auf jeden Fall bereit, die Ärmel hochzukrempeln, Verantwortung zu übernehmen und wieder wie einst eine sichtbare Rolle in Europa zu spielen.

Woran arbeitest du aktuell?

Aktuell ist es mir neben meiner Aufgabe in den Datenwissenschaften eine Herzensangelegenheit, das DZA und dessen Mission den Menschen der Region nahezubringen. Am spannendsten ist es dabei, unerwartete Wege zu gehen und den Kontakt zum DZA auf gänzlich unerwartete Art und Weise herzustellen. Ein besonderes Projekt ist hierbei der Lausitzer Planetenball. Mit dem wollen wir auf spielerische Art und Weise Jung und Alt für die Wissenschaft und das DZA begeistern.

 

Text: Deutsches Zentrum für Astrophysik

Dieses Porträt entstand in Kooperation mit dem Hi!Lusatia e.V. im Rahmen der Ausstellung „Hi!Lusatia – Forschung schafft Perspektiven“ in der Galerie Brüderstraße in Görlitz.