Forschung schafft Perspektiven: Christiane Ritz (Senckenberg)
Juni 2026
Christiane Ritz kommt nach Görlitz und übernimmt am Senckenberg Museum für Naturkunde die Leitung der Botanik. Zuvor studiert und forscht sie in Dresden, Jena und Gießen. Was mit einer Stelle als Kuratorin beginnt, wird zur Berufung. Im Interview erzählt sie, warum sie die Arbeit mit Pflanzen – besonders Wildrosen – begeistert und was Görlitz als Forschungs- und Lebensort ausmacht.
Wer bist du und woran arbeitest oder forschst du?
Mein Name ist Christiane Ritz, ich leite die Abteilung Botanik am Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz und bilde als Honorarprofessorin am Internationalen Hochschulinstitut Zittau/TU Dresden internationale Studierende aus. Bevor wir als Familie hier gelandet sind, habe ich in Dresden und Jena studiert und an der Universität in Gießen gearbeitet. In unserem Görlitzer Team erforschen wir die heimische und mongolische Pflanzenwelt. Ein besonderes Herzensprojekt sind seit vielen Jahren die Vielfalt und Geheimnisse der Wildrosen.
Warum bist du nach Görlitz gekommen und was hat dich überzeugt, hier zu arbeiten?
Ich habe mich 2010 auf eine freie Stelle als botanische Kuratorin beworben. Eine Festanstellung als Wissenschaftlerin an einem Forschungsmuseum zu bekommen, ist ein großes Privileg. Ich bin sehr dankbar, dass ich meine Leidenschaft für Botanik zum Beruf machen konnte. Wir betreuen botanische Sammlungen, die teils Jahrhunderte alt sind. Der Blick in die Vergangenheit unserer Flora wird durch moderne Methoden zunehmend umfassender und eröffnet ein faszinierendes Forschungsfeld, das hilft, den menschlichen Einfluss auf unsere Natur zu verstehen. Durch die Arbeit im Naturkundemuseum kommen wir auf vielfältige Weise mit den Menschen in der Stadt ins Gespräch – etwa über Ausstellungen, Exkursionen und Vorträge.
Wie hast du dein Ankommen in Görlitz erlebt und was gefällt dir am Leben in der Stadt?
Als Familie haben wir uns mit unseren Kindern sehr schnell hier eingelebt. Besonders das offene und freundliche Willkommen im evangelischen Kinderhaus Regenbogen – von der Krippe bis zum Hort - war eine große Hilfe beim Ankommen. Görlitz bietet für Familien mit Kindern tolle Freizeitmöglichkeiten: im Tierpark, Theater und in den Museen lässt sich viel erleben. Wir lieben die Natur. Deshalb ist es toll, die Stadt auch schnell hinter sich lassen zu können, um abwechslungsreiche Landschaften von der Teichlausitz bis zum Riesengebirge zu entdecken. Besonders gefreut haben wir uns über die polnisch-deutschen Sprachklassen am Augustum-Annengymnasium – eine wunderbare Gelegenheit für unsere Kinder nicht nur die polnische Sprache, sondern auch Land und Leute kennenzulernen.
Was macht die Wissenschaftsregion um Görlitz aus deiner Sicht besonders?
Für mich als Biologin bietet die Lausitz als Hotspot der Biodiversität eine ausgezeichnete Forschungsumgebung. Wir haben sogar schon das komplette Genom einer Wildrose vom Strohmberg bei Weißenberg sequenziert und diese genetischen Informationen steht Forschenden aus aller Welt zur freien Verfügung. Mit starken Partnern in der Region, wie der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz und dem Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, können wir Naturschutzprojekte konkret umsetzen und wissenschaftlich begleiten. Die räumliche Nähe zur Natur erlaubt auch unseren Studierenden, die aus mehr aus 40 Ländern nach Görlitz kommen, naturwissenschaftliche Feldarbeiten direkt vor Ort zu erlernen.
Was hat dich an Görlitz oder an der Arbeit hier besonders überrascht?
Überrascht hat mich das wirklich vielfältige Kulturangebot in Görlitz. Ich finde die zahlreichen Möglichkeiten zu Musik, Kunst und Natur für alle Altersgruppen wirklich beeindruckend für eine Stadt dieser Größe. Auch jetzt, wo die Kinder größer sind und unsere Freiheiten als Eltern wieder zunehmen, gibt es mehr spannende Angebote als freie Abende. Und natürlich der Berzdorfer See – als stadtnahe kostenlose Bademöglichkeit ist er natürlich unschlagbar.
Über das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
Das Museum für Naturkunde Görlitz steht seit mehr als 200 Jahren für naturwissenschaftliche Forschung und Wissensvermittlung. Als Teil der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung arbeiten mehr als 100 Mitarbeitende an Fragen der Biodiversität, der Wechselwirkungen zwischen Organismen und ihrer Umwelt sowie der Zukunft von Ökosystemen im globalen Wandel. Grundlage sind die wissenschaftlichen Sammlungen mit rund 7 Millionen Objekten.
Durch das Engagement in der akademischen Lehre und die Vermittlung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse durch Ausstellungen, Bildungsangebote und Forschungsprojekte an eine breite Öffentlichkeit, stärkt das Museum die Wissenschaftsregion Lausitz.
Text: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Dieses Porträt entstand in Kooperation mit dem Hi!Lusatia e.V. im Rahmen der Ausstellung „Hi!Lusatia – Forschung schafft Perspektiven“ in der Galerie Brüderstraße in Görlitz.
