Blumen gegen Einsamkeit

Frühling 2020. Allerfeinstes Biergartenwetter. Aber sie sind leer, die Biergärten. Die Kaffeetafeln verwaist. Kein Kinderlachen kommt von den Spielplätzen. Sie sind gesperrt. Das Corona-Virus hat es notwendig gemacht, das öffentliche Leben zu begrenzen. Die Menschen halten sich weitgehend an die Beschränkungen, mehr oder weniger einsichtig.
 
Zu den traurigsten sichtbaren Auswirkungen in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec gehören wie überall die Beschränkungen für die Senioren und Kranken in Heimen und Pflegeeinrichtungen und in unserer Stadt speziell die nach Jahren des freien rüber und nüber nun wieder ein weitgehend geschlossener Grenzzaun.
 
Aber was machen sie, die polnischen und deutschen Nachbarn aus den beiden traurigen Umstände? Eine wunderschöne kleine Geschichte machen sie daraus. Die Geschichte beginnt auf der deutschen Seite der Zwillingsstadt. Als die Wochenmärkte schließen mussten und wie vieles auch keine Blumen mehr verkauft werden durften, kommen ein paar Leute auf die Idee, einer Gärtnerei alles abzukaufen, was sonst wohl auf dem Kompost gelandet wäre.
 
Die Blumen fahren sie nach Anruf und Absprache zu den verschiedensten Heimen. Je nach Bewohnerzahl sind es zwischen 30 und 120 Sträuße auf jeder Tour. Das Geld für die Blumen wird nach einen Spendenaufruf und einem wohlwollenden Artikel in der Tageszeitung von vielen Görlitzern gespendet und von Menschen, denen Görlitz am Herzen liegt.
 
Eine Spende kommt auch von Familie Siekierka. Die Siekierkas haben lange in Görlitz gewohnt und haben sich vor ein paar Jahren ein Häuschen in Zgorzelec gekauft. Für sie ist das Leben im deutsch-polnischen Austausch selbstverständlich und so wichtig wie die Luft zum Atmen. Und genau diese Spende gibt den Anstoß zum schönen Fortgang der Geschichte.
 
Als die Görlitzer Blumenverteiler die Spende aus Polen registrieren, fragen sie Kathleen Siekierka an, wie es denn auf der polnischen Seite mit den Senioren aussieht. Und bekommen zu Antwort, dass es auch in Zgorzelec zwei große Einrichtungen gibt und auch dort strenge Ausgangsbeschränkungen gelten. Damit stand der Plan. Kathleen rief die Heimleitungen an. Eine Einrichtung war etwas vorsichtig und sagte nicht zu. Die andere war voller Dank. Dann galt es, eine Gärtnerei zu suchen, auch das ging ganz schnell. Pani Irena vom Zgorzelecer Gärtnerei-Betrieb „Blumenland“ stellte traumhafte Gestecke zusammen und Kathleen Siekierka ließ es sich nicht nehmen, diese unter Einhaltung aller Vorschriften persönlich auszuliefern.
 
So wurde aus deutsch-polnischen Spendengeldern eine wunderbare kleine Geschichte polnisch-deutschen Zusammenhalt. Das macht Hoffnung auf eine gute gemeinsame Zeit, wenn die Grenzen nicht mehr sichtbar sind und rüber und nüber wieder Alltag.

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